Die Nachkriegszeit

Originaltitel des sechs Folgen umfassenden Artikel einer kanadischen Zeitung vermutlich aus dem Jahr 1952: A Journal of Despair - "My Two Years In Postware Red Labor Camps". By Count Béla Cziráky



Béla Graf Cziráky



Überblick – Ein Tagebuch der Verzweiflung

„Meine zwei Jahre in roten Arbeitslagern der Nachkriegszeit"
Erschienen 1952 in einer kanadischen Zeitung (vermutlich Montreal Morning Star)

Im Frühjahr 1945 marschiert die Rote Armee in Ungarn ein. Béla Graf Cziráky ist 24 Jahre alt und Student, als er in Budapest von sowjetischen Soldaten von der Straße weg auf einen Lastwagen geworfen wird. Der Grund: Er ist ein Graf. Fünf Tage lang bekommt er Schläge statt Essen. „Ihrer Meinung nach kann kein Graf ein anständiger Mensch sein."
Der Transport
Mit blauen Flecken übersät wird er in einen Zug mit zweitausend Gefangenen verladen — neunzig Mann pro Güterwagen, das Loch im Boden als einzige Toilette. Er versucht zu fliehen: Eine Stange gegen den Stacheldraht am Fenster — und sofort erscheint die Mündung einer Maschinenpistole. Russische Soldaten sitzen auf den Dächern der Waggons, spielen Karten im Regen, unbeeindruckt von Kälte und Rauch. Der Zug fährt durch die Ukraine, über den Dnjepr, den Don und die Wolga, durch die Tartarische Republik — vierzehn Tage lang, bis er das Ziel erreicht: Sverdlovsk (Jekaterinburg), wo 1918 die Zarenfamilie erschossen wurde.
Die Lager
Béla durchläuft mehrere Lager in der Zone Sverdlovsk. Das erste: amerikanische Zelte, sechzig Mann darin. 

Die Arbeit: Bäume fällen, Sümpfe kanalisieren, im Wasser bis zu den Hüften. Ein kranker Ungar versucht sich auszuruhen — der russische Wächter schießt ihn nieder mit den Worten: „Er hat versucht zu fliehen." Abends müssen die Gefangenen singen, um zu beweisen, dass sie glücklich sind. Als ihre Stimmen zu schwach sind, tobt der Wächter: „Ihr sabotiert die Musik!"
Als Dolmetscher für die deutschen Kriegsgefangenen eingesetzt, erlebt Béla ein zweites Lager: Fünfhundert von zweitausend deutschen Gefangenen sterben in vier Monaten an Schwäche und Typhus. Die Leichen werden entkleidet und von Balken gehängt, um Platz zu schaffen. Manche Deutschen ziehen ihren toten Kameraden das Gold aus den Zähnen, um es für ein Stück Brot zu verkaufen.
Die Fabrik
Im Zentrallager Sverdlovsk wird Béla in die Rüstungsfabrik Uralmasch geschickt — Panzer, Lokomotiven, Gewehre. Er schleppt glühende Eisenbarren von 80 Kilogramm. Jeder Muskel schmerzt, wenn er abends auf die Strohmatratze fällt. Um mehr Brot zu bekommen, übertrifft er das tägliche Arbeitspensum um 300 Prozent — bis die russischen Kollegen ihn bitten, aufzuhören: Die Fabrik würde sonst die Quoten für alle erhöhen.
In der Kantine sieht er die sowjetische Gleichheit in der Praxis: Gefangene bekommen Kohlsuppe und Schwarzbrot. Vorarbeiter bekommen Kasha und Halbweißbrot. Ingenieure speisen mit weißem Tuch und Papierblumen am Tisch — Omeletts und Fleisch. Theoretisch darf jeder jeden ansprechen. In der Praxis spuckt man auf den Boden, wenn ein Häftling höflich fragt.
Zweimal stecken ihm russische Arbeiterinnen heimlich Salzkartoffeln in die Tasche. „Mit einer mütterlichen Geste."
Hunger und Hoffnung
Béla verliert fast die Hälfte seines Körpergewichts: von 80 auf 45 Kilogramm. Die Todessehnsucht wird stark. Regelmäßig versprechen die Russen den Ungarn die baldige Heimkehr: „Du wirst dieses Jahr Erdbeeren zu Hause essen." Die Erdbeerzeit vergeht. Dann die Kirschen. Dann die Äpfel. Die Männer bleiben. Die einzige Realität sind die russischen Panzer im Wald — über tausend neue Fahrzeuge, mit Wachstuch abgedeckt, sorgfältig gewartet.
Ein junger NKWD-Leutnant erklärt, warum Russland immer jeden Krieg gewinnen wird: Während westliche Soldaten mit Wechselkleidung und Lebensmittelkisten in den Krieg zogen, marschierten die Russen mit einem Löffel, einer Maschinenpistole und 1.500 Schuss Munition. „Wer bewaffnet ist, gewinnt. Wir werden gewinnen."
Die Befreiung
An einem Februartag 1947 wird Béla unvermittelt zum NKWD-Hauptquartier gerufen. Zwei Offiziere. Neue Kleider. Ein Russe versucht ihm seine Goldmünze mit der Madonnenmadaille wegzunehmen — er reißt sie ihm aus der Hand. Dann der Satz des Oberst: „Du gehst nach Hause."
Hinter seiner Freilassung steckt die Intervention eines Freundes der Familie über die ungarische Botschaft in Moskau, der sich den Namen des kommunistischen Ex-Präsidenten Ungarn zunutze gemacht hatte. Zusammen mit einem ungarischen Juden aus einem anderen Lager reist er unter Bewachung über Moskau und Kiew zurück. Im Kiewer Bahnhof schlafen Tausende auf dem Boden — schmutzig, in Lumpen, von Polizei kontrolliert. Ein Kind zupft seiner schlafenden Mutter Läuse aus dem Haar.
Am 2. März 1947 überquert der Zug die ungarische Grenze. Der begleitende russische Offizier sagt zum Abschied: „Bald werden Ungarn, Rumänien, die Tschechoslowakei, Bulgarien, Polen und Finnland zu den Staaten Sowjetrusslands gehören."
Epilog: Ungarn nach der Befreiung
Was Béla in seiner Heimat vorfindet, ist ein Land unter sowjetischer Besatzung. Politische Verhaftungen, Einschüchterung, manipulierte Wahlen: Züge voller zurückgekehrter Gefangener werden an Bahnhöfen gestoppt, damit die Männer unter russischer Bewachung für die Kommunisten stimmen — sonst droht den noch in Russland verbliebenen Kameraden eine Verschlechterung ihrer Lage.
Den Abschluss des Berichts bildet eine Szene in einem Hotelrestaurant in Veszprém, an einem Wahltag: Ein russischer Soldat zieht lächelnd seine Pistole, zielt der Reihe nach auf Zigeunermusiker, auf Kronleuchter, auf eine Suppenterrine — und erschießt schließlich einen zufällig ausgewählten Ungarn am Nebentisch. Er steckt die Pistole ein und geht auf die Straße hinaus.
Béla Graf Cziráky schrieb diesen Bericht 1952 für eine kanadische Zeitung. Er starb 1986. Sein Sohn Ádám hat den vollständigen Text als Anhang seiner Autobiografie „Entwurzelt" (2025) beigefügt.